Make the difference...
....was ist denn eigentlich der Unterschied zwischen:
züchten wollen
und der
Zucht gesunder Hunde?
Gibt es da überhaupt einen Unterschied?????
Ganz grundsätzlich muss man sich im Vorfeld darüber erst einmal Gedanken machen, was ein Züchter überhaupt ist, denn dieses Wort wird allzu verschwenderisch in einem unterschiedlichen Kontext verwendet und führt sehr häufig zu komplett falschen Vorstellungen des Begriffes "Züchter" überhaupt.
"Der Züchter hat mich betrogen", "ich wurde vom Züchter über den Tisch gezogen", "der Züchter hat mir einen ganz anderen Hund verkauft als versprochen" - stets ist es der Begriff "Züchter" welcher in diesem Zusammenhang fällt.
Aber wer ist er denn eigentlich, dieser ominöse "Züchter"?
Offiziell werden "Züchter" in drei Kategorien eingeteilt:
Der seriöse Züchter unterliegt Richtlinien, welche dem Rassestandard und der Gesundheit der Rasse dienen.
Der gewerbsmässige Züchter besitzt so viele Hündinnen, daß der Verkauf der Welpen einen Erwerb darstellt und die Einkünfte daraus versteuert werden müssen.
Vermehrer: hier geht es einzig uns alleine ums Geschäft. Standardtreue und Gesundheit sind vollkommen nebensächlich, die Haltung und Aufzucht ist häufig tierschutzrelevant.
So weit so gut.
Aber müssen wir uns nicht fragen, wenn so der seriöse Züchter definiert ist, WARUM es Qualzucht überhaupt gibt und warum unabhängig von egal welcher Vereinszugehörigkeit dennoch angeblich "seriös" gezüchtet Rassen mit Erbkrankheiten zu kämpfen haben und auch in einem Verband wie dem VDH Standardmöpse als Qualzuchtrasse problemlos weitergezüchtet werden können?
Meiner persönlichen Meinung nach, welche auf der jahrzehntelangen eigenen Zucht in VDH Verbänden und ausserhalb diesem beruht, macht ein ganz kleines Wort den Unterschied zwischen "Zucht von Hunden" und "Zucht von gesunden Hunden" aus:
Und zwar: ich "will" züchten!
Lassen Sie mich das erklären:
Jemand, der züchten WILL, hat bereits einen festen Vorsatz gefasst: er will seine Hündin belegen lassen oder er möchte seinen Rüden zur Zucht zur Verfügung stellen.
Um sich diesen Wunsch zu erfüllen, absolviert man die vorgeschriebenen Gesundheitsuntersuchungen und hofft dabei, daß diese passen, um eine Zuchtzulassung zu erlangen.
Hier steht der prinzipiell egoistische Wunsch im Vordergrund, seinen Hund in die Reproduktion zu bringen: weil man mal Welpen aufziehen möchte, weil die Kinder das mal erleben sollen, weil es die Urlaubskasse füllt, weil man selbst einen Welpen behalten will, weil, weil, weil,..... die Gründe sind so vielfältig wie es Hunderassen gibt.
Was NICHT im Vordergrund steht, ist die Gesundheit des eignen Hundes, die Eignung im Phänotyp und im Wesen, beziehungsweise der Rasse, denn es geht ja primär darum, den Hund in der Zucht einzubringen.
Den Gegensatz dazu bilden jene Hundebesitzer, welche Familienhunde besitzen und vage im Hinterkopf sich vorstellen können, den Hund vielleicht einmal in der Zucht zur Verfügung zu stellen, WENN sich zeigt, daß er im Wesen und gesundheitlich tatsächlich alle Anforderungen erfüllt.
Diese Hundebesitzer gehen in aller Regel sehr entspannt in die Gesundheitsuntersuchungen, denn sie wissen schon von vorneherein: wenn ein gesundheitlicher Mangel vorliegt, dann wird eben NICHT gezüchtet - shit happens...
Wo bei Ersteren penibel abgefragt wird, was gemacht werden muss und vor allen Dingen wie hoch die Kosten für die ganzen Gesundheitsuntersuchungen sind und ob zum Beispiel ein Rüde auch tatsächlich eingesetzt wird, damit sich das "rechnet", dann kann man sich nicht unschwer ausrechnen, daß hier nur die aller-allernotwendigsten Untersuchungen gemacht werden und ein insistieren auf weitere, freiwillige, aber wichtige Untersuchungen auf taube Ohren stösst.
Letztere hingegen sind genau die Züchter, denen tatsächlich Gesundheit und Wesen wichtig sind, denn sie machen den Zuchteinsatz alleine vom Ergebnis abhängig und sie sind auch in aller Regel bereit Untersuchungen vorzunehmen, welche zwar nicht vorgeschrieben, aber für die Rasse sehr wichtig sind - für mich die Vorstellung eines idealen Züchters bzw. Deckrüdenhalters...
Praktisches Beispiel gefällig?
Wir züchten Retromöpse - die aktuell gesündeste Spielart des Mopses.
Wie in jeder Zucht werden auch diese vor einem Zuchteinsatz untersucht und nur untersuchte Tiere können in die Zucht eingebracht werden.
Tatsächlich sind wir bei den Möpsen eher "Zuchtneulinge", denn wir haben jahrelang bzw jahrzehntelang Kromfohrländer gezüchtet und im Klub für Terrier (Beide im VDH) Irish Terrier. Wir sind also bei den Möpsen immer noch am Erfahrung sammeln, wobei gerne gesagt werden darf, daß man als Züchter tatsächlich NIE auslernt!!!!!
Ganz grundsätzlich "brodelt" es beim Thema Qualzucht: in der Politik, bei den Tierschützern in Form von "adopt, not shop", auf Insta mit Anti-Qualzucht-posts und wer eine Qualzuchtrasse bestizt MUSS sich mit diesem Thema auseinandersetzen.
Unsere besondere Erfahrung besteht diesbezüglich in den Ergebnissen unserer endoskopierten Hunde: "Ovomaltine von der Holderheide" ist absolut freiatmend, rennt und springt wie jeder "normale" Hund, schnarcht weder beim Schlafen noch hat sie Probleme in der Hitze. Nach holländischem Maßstab hat sie eine prima lange Schnauze und hat alle vorgeschriebenen Gesundheitsuntersuchungen mit Bravour gemeistert - daß sie ausserdem im Wesen sehr charmant ist, das wissen ALLE unsere Besucher :-)
Die nicht zur Zucht vorgeschriebenen endoskopische Untersuchung ergab allerdings, daß sie dennoch über ein zu langes Gaumensegel verfügt: niemand der sie kennt, auch die Tierärztin nicht, hätte mit diesem Ergebnis je gerechnet!!!!!!
(Zu den Konsequnzen gibt es einen eigenen Blogbeitrag)
Wechseln wir zu den Standardmöpsen, welche den sogenannten "Cambridge-Test" zur Zuchtzulassung durchlaufen müssen (im VDH Pflicht, je nach Verein Vorschrift).
Hier handelt es sich um ein wissenschaftliches Untersuchungsverfahren, welches der objektiven Bewertung der Atemfunktion dient.
Dagegen ist erst einmal nichts einwenden.
ABER: welche Tipps werden bei ersteren Züchtern zur Zuchtzulassung unter der Hand weitergegeben?
Der Mops sollte absolut mager vorgestellt werden, weil man mit dieser Kondition die sichersten Ergebnisse pro Zuchtzulassung erhält, heisse Tage zum Test vermeiden, denn sie gefährden ein positives Zuchtergebnis und ihn so jung wie möglich vorstellen, solange das Gewebe noch straff und fest ist.
Das sind DIE Tipps, welche von zukünftigen Züchtern berücksichtigt werden, welche unbedingt WOLLEN, daß sie mit ihrem Hund züchten können und sie werden tunlichst alles vermeiden, was eine Zuchtzulassung ihre Hundes gefährdet und freiwillige (wenn auch wichtige Untersuchungen) werden unterlassen.
Und mit diesem Hintergrund erklärt sich auch die Tatsache, warum trotz seriöser Zucht und strengen Zuchtvorschriften in seriösen Verbänden Erbkrankheiten und damit die Gesundheit/Krankheit ein großes Thema ist...
Und ja, letztendlich liegt es in der Verantwortung der Käufer, ob unsere Hunde gesünder werden oder nicht, denn auch in der Hundezucht und bei den Vermehrern regelt der Markt die Nachfrage: bekommt der Vermehrer seine Hunde gut los, wird das dortige Hundeelend nie ein Ende finden.
Wird vom Käufer nicht erkannt, was ein an der Gesundheit interessierter Züchter ist, wird sich auch auf der seriösen Ebene der Hundezucht nur wenig ändern...
Aber: Unsere Hunde haben es verdient, ein gesundes und glückliches Leben zu führen und zwar ein Hundeleben lang und sie sind die Leidtragenden.......


