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Die Sache mit den Ahnentafeln

sybillenass
21. Juli
3 Min. Lesezeit

Die Ahnentafel: sie schläft erfahrungsgemäss beim Familienhundebesitzer

im Hundeordner, nachdem man sie bei Erhalt einmal angesehen hat.

Für den Züchter hingegen ist sie ein Arbeitsmittel, welches die Grundlage jeglicher züchterischer Arbeit bildet.

Auf ihr sind nicht nur die Namen der Elterntiere, der Großeltern und Urgroßeltern verzeichnet, sondern die für den Züchter wichtigen Informationen zu Gesundheitsdaten, Farbe, Rasse, Haarart und aus welchen Ländern die Ahnen möglicherweise stammen.


Die Ahnentafel ist ausserdem eine Urkunde im rechtlichen Sinne und der Züchter bestätigt mit seiner Unterschrift auf den Ahnentafeln seiner Welpen die Richtigkeit der Angaben darauf.


Nun bin ich selbst als Zuchtbuchstelle für die korrekte Ausfertigung sowohl der Ahnentafeln der Züchtergemeinschaft als auch der in das Zuchtbuch zu übernehmender Hunde aus anderen Vereinen zuständig und mein aktueller Fall ist die perfekte Gelegenheit, einmal mehr aufzuzeigen, wie wichtig die Kontrolle von Ahnentafeln ist und warum eine Ahnentafel nur dann dem Züchter hilft, wenn sie korrekt erfasst ist.


Ich erhalte eine Ahnentafel eines Rüden, welche eine Züchterin unserer Züchtergemeinschaft im Ausland ohne Abstammungsnachweis, aber mit bekannten Vorfahren erworben hat. Ein Mitglied eines deutschen Hundevereins hat dann gegen Gebühr eine Ahnentafel des Rüden erstellt und diese der Züchterin überlassen.

Soviel zur Vorgeschichte:-)


Vorab: Wir haben lange Jahre sowohl im VDH gezüchtet als auch in Alternativvereinen, eine gewisse Erfahrung darf man mir hier zugestehen.

Was ich hier allerdings zu sehen bekommen habe, ist wirklich ein highlight an Ahnentafel, wie ich es zuvor wirklich noch nie erlebt habe:

In der mir vorliegenden Ahnentafel des Rüden ist er selbst ein in der Zukunft geborener Welpe des eigenen Zwingers, ein wirklich sehr interessanter Umstand und wäre damit der würdige Garant für spätere Missverständnisse in den Ahnentafeln dieses Zwingers..


Kurze Anmerkung für Aussenstehende: jeder Wurf wird in Deutschland nach dem Alphabet eingetragen, der erste Wurf eines Zwingers beginnt also mit "A" = alle Welpen haben einen Namen, welcher in der Ahnentafel mit "A" beginnt, der zweite Wurf führt ein "B" und so weiter, und so weiter. Ist das Alphabet einmal durch, beginnt der Kreislauf wieder von Vorne mit A2, B2, usw.,usw.


Da es hier nicht darum geht, Menschen bloßzustellen, verwende ich Ersatznamen: deshalb bekommt besagter Rüde hier den Namen "Benny vom goldenen Tor".

Der Zwingername der Züchterin lautet ebenfalls "vom goldenen Tor" und dadurch ergibt es sich dann, daß Benny im B-Wurf selbst zum Welpen aus seinem eigenen Zwinger wird:-)

Auf der Vorderseite der Ahnentafel von Benny ist unter anderem die Haarart des Hundes angegeben, ein für die Zucht ausgesprochen wichtiger Aspekt - leider auf dieser Ahnentafel nicht korrekt.

Egal welche Haarart man züchtet - ob rauhhaarig oder bartlos: für bestimmte Rassen sind die Kenntnisse über die Haarart der Elterntiere essentiell, besonders, wenn Rauhhaarigkeit oder Bartlosigkeit als Rassekriterium gefordert ist.

(Hier kommen wir beim Thema Genetik an, ein sehr trockenes Gebiet, nichstdestoweniger Grundlage jeglichen Züchtens)

Das Interessante der Elterntiere von Benny ist: der Mangel an essentiellen Informationen zu den Elterntieren und auch hier wieder: falsche Angaben zur Haarart. Sein Vater führt in der Ahnentafel seinen Namen und die falsche Haarart, dito bei seiner Mutter.

Für einen seriösen Züchter, welcher gezielt und passend Einkreuzen möchte, ein echtes Problem, denn nur wenn eine Abstammung korrekt und möglichst vollständig ist, können Aussagen über den zu erwartenden Wurf getroffen werden!

Bei den Großeltern sieht es erwartungsgemäß nicht besser auf und ganz ehrlich: die Bezeichnung "Ahnentafel" hat dieses Papier wirklich nicht verdient.


Warum aber ist mir persönlich dieses Thema so wichtig?

Nun, ich bearbeite die Ahnentafeln und die Eintragungen genau mit dem Wissen, weil ich weiß, daß die korrekten Daten so wichtig für den Züchter sind. Deshalb prüfe ich alle mir vorliegenden Dokumente sehr genau auf ihre Richtigkeit.

Das Problem "nur" Ahnentafel-ausstellender Vereine ist, daß sie Ahnentafeln für sehr, sehr viele Rassen ausstellen und darauf vertrauen - müssen - daß die ihnen übermittelten Angaben korrekt sind. Sind sie dies nicht - wie im Falle von Benny vom goldenen Turm - so werden diese falsch übernommen. Und das setzt sich dann immer weiter fort, was eine seriöse Zucht, welche auf vertrauenswürdigen Angaben beruht, deutlich erschwert.


In diesem Fall ist zum Einen der Kontakt zur Eigentümerin des Rüden sehr gut, denn mit ihrer Hilfe lassen sich die Fehler der mir vorliegenden Ahnentafel sehr gut bereinigen, zum Anderen hilft mir meine Erfahrung, andere, noch fehlende Angaben korrekt zu ergänzen.

So wird aus "Benny vom goldenen Turm" nicht sein im eigenen Zwinger geborener Welpe, sondern er erhält eine Registerahnentafel der Züchtergemeinschaft für den Retromops mit korrekten Angaben, welche für unsere seriöse Zuchtarbeit erforderlich ist.


Retromops, Altdeutscher mops, Mopszucht Österreich, Mopszucht Schweiz

"Wie? Ich darf nicht mit der Ahnentafel spielen???"








 
 
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