Einkreuzen
Heute ein aktuelleres Thema denn je, wo „Qualzucht“ in aller Munde ist und die Medien unter den vielen bekannten Qualzuchtrassen offensichtlich den Mops besonders ins Visier genommen haben.
Und die Geister scheiden sich an ihm: die Einen wollen den Mops als Rasse am liebsten ganz von der Bildfläche verschwinden lassen, während das andere Lager den Erhalt via Einkreuzung befürwortet.
Betrachtet man allerdings alleine die Entwicklung des Retromopses, dann ist dieses Streben nach einem gesünderen Mops kein Neues, denn das Thema Qualzucht taucht in den letzten Jahrzehnten regelmässig in Wellen in der öffentlichen Wahrnehmung auf.
Meine erste Berührung mit diesem Thema hatte ich bereits in den Neunzehnhundertsiebzigern, als Heiko Gebhardt im Stern die Artikelserie „Du armer Hund“ veröffentlichte. Hauptthema war der gewerbliche Hundehandel mit all seinen negativen Ausprägungen, aber auch das Thema Qualzucht wurde bereits damals von ihm angerissen. Der gemeinsame Nenner hieß „Gesundheit“ und da mangelte es den Hunden bereits damals in vielen Bereichen.
Das auf der Artikelserie im Stern basierende Buch „Du armer Hund“ markiert den Beginn einer Ära, in welcher der Heimtierbereich zunehmend empathisch und immer weniger kaufmännisch betrachtet wurde.
War es vor fünfzig Jahren noch üblich, Hunde über den Versandhandel zu bestellen - das waren im Katalog als KInd übrigens meine Lieblingsseiten - so sorgte Aufklärung über Produktion und Handel mit Welpen im Laufe der Jahrzehnte für eine zunehmend kritische Haltung gegenüber „des Menschen bester Freund“.
Auch damals geriet der Mops schon frühzeitig ins Visier aufgeklärter Rasseliebhaber und diese trennten sich vom nach wie vor dominierenden „Verband des Deutschen Hundewesens“ (VDH), um einen für den Mops gesünderen Weg zu finden: der altdeutsche Mops war geboren und die Liebhaber hatten sich zum erklärten Ziel gesetzt, ihn wenigstens atmen zu lassen und ihm eine gewisse Bewegungsfreude zuzugestehen. Und so repräsentierte der altdeutsche Mops über lange Zeit die „gesündere“ Version des Standardmopses, nicht anerkannt vom VDH, aber aus Überzeugung gezüchtet.
Aber es fanden sich Menschen, welche auch den altdeutschen Mops bereits als gesundheitlich zu angeschlagenen betrachteten - und dies zu Recht, ziehe ich unsere Erfahrungen mit unserer eigenen altdeutschen Mopshündin „Rippchen“ heran. Immer noch kennzeichneten auch die altdeutschen Möpse die Probleme brachyzephaler Rassen so stark, daß eine gesundheitliche Beeinträchtigung bestand - und dies sollte sich mit der Etablierung des als Markennamen eingetragenen „Retromopses“ ändern.
Die Gründerin der Züchtergemeinschaft beschritt mit einer Zuchtkollegin gemeinsam vor über fünfzehn Jahren diesen Weg und so ist ein original Retromops tatsächlich nur ein Retromops aus der Züchtergemeinsachaft - und wie viel Erfolg diesem Ansinnen beschieden war und ist, lässt sich alleine darin erkennen, daß die Bezeichnung „Retromops“ Eingang in den allgemeinen Sprachgebrauch gefunden hat und seine Wurzel den meisten Menschen gar nicht bekannt ist.
Für uns persönlich ist der Begriff „Einkreuzen“ allerdings von Haus aus kein Neuer, denn bevor wir der Loriot´schen Aussage verfallen sind: „Man kann ohne Mops leben, aber es lohnt sich nicht“, waren wir jahrzehntelang Züchter der Rasse „Kromfohrländer“, dessen erstes Exemplar mich bereits seit der Jungend begleitete.
Geprägt durch die kritischen Aussagen zur Hundezucht von Heiko Gebhardt, zog sich auch bei unserer Kromfohrländerzucht das Thema Gesundheit wie ein roter Faden durch unsere Zuchtplanung und neben dem anderen großen Thema „gutes Wesen“, war dies unsere Leitlinie.
Die Kromfohrländerpopulation ist mit um 200 pro Jahr geborenen Welpen überschaubar, was bei entsprechendem Interesse dazu führt, daß viele Daten gesammelt werden können, welche ein umfassendes Bild über den gesundheitlichen Zustand der Rasse abbilden. Und unsere Nachzucht spiegelte diese ebenfalls wider - und sie war uns im Gesamtkontext in ihren Ergebnissen zu krank.
Nachdem wir innerhalb des VDH alle genetischen und praktischen Möglichkeiten für eine gesündere Zucht ausgeschöpft hatten, entschieden wir uns dazu, den VDH (hier Rassezuchtverein der Kromfohrländer e.V.) zu verlassen und ein Einkreuzprojekt zusammen mit anderen engagierten Züchtern zu starten.
Es sind überaus wertvolle Erfahrungen, welche wir in punkto Einkreuzen sammeln konnten und sie basieren auf umfassendem genetischen Wissen und jahrzehntelanger praktischer Zuchterfahrung - geholfen hatte uns hierbei sicher auch die Liebhaberei meines Mannes, die uns einen kleinen Einblick in die Zucht des Irish Terrier verschaffte und damit bereits früh den Blick „über den Gartenzaun“ ermöglichte. (Vier eigene Würfe unter dem Zwingernamen „finchhatton´s“ im VDH, hier Klub für Terrier, kurz KfT.)
Um sinnvoll einkreuzen zu können, sollte eine fundierte Kenntnis unterschiedlichster Rassehunde selbstverständlich sein, damit Einkreuzen nicht in wildem herumexperimentieren endet.
(Leider in der Retromopszucht nach wie vor immer wieder zu beobachten, denkt man an den sogenannten „Frops“, was da sind Möpse mit französischer Bulldogge verpaart, eine Rasse, welche selbst der Qualzucht zugeschlagen wird und die Nachkommen daraus in gesundheitlicher Hinsicht keinerlei Verbesserungen erwarten lassen.)
Und es ist bei Weitem nicht damit getan, eine „ähnliche“ Rasse zu finden, um daraus dann gesündere Varianten zu ziehen, denn jede Fremdrasse bringt zwei Seiten einer Medaille mit und es müssen kritisch beide Seiten benannt, und genau gegeneinander abgewägt werden, damit sinnvolle Ergebnisse zu erwarten sind.
Vorraussetzung für einen echten Erfolg kann jedoch nur der Rahmen bilden, in welchem Züchter sich gemeinsam befinden und der Strang, an welchem sie gemeinsam ziehen.
Unser Weg hat uns in die Retromopszucht geführt und hier können wir unsere über zehnjährige Einkreuzerfahrung bei den Kromfohrländern nun sinnvoll für die Retromöpse nutzen und umsetzen.
Die Gefahren des Einkreuzens haben uns seinerzeit beim Erwerb der altdeutschen Variante eines Mopses gleitet, denn zu riskant erschienen uns die „Nebenwirkungen“ beim Retromops zu sein und vielleicht brauchte es einfach die schlimmen Erfahrungen mit unserem „Rippchen“ um aus Überzeugung selbst Retromopszüchter zu werden!
Wie bei unseren Kromis braucht es Idealisten, welche bereit sind, andere züchterische Wege zu gehen und dazu das Stehvermögen besitzen, sich gegen Verleumdung und üble Nachrede zu stellen, welche stets mit einem Bruch einhergeht. „Mischlinge“ ist dabei noch eine der netteren Bezeichnungen für unsere mit Sorgfalt, Sachkenntnis, Hundeverstand und Liebe gezüchteten Retromöpschen….
Und ja: der Mops hat Zukunft, Holland hat es mit seinem Zuchtweg bereits bewiesen! Dort hat die für die Hundezucht zuständige Landwirtschaftskammer den Beschluß gefasst, daß Möpse über eine definiert messbare Fanglänge verfügen müssen und den Züchtern eine Übergangsfrist von vier Jahren eingeräumt, um dieses Ziel zu erreichen. Diese Frist ist letztes Jahr abgelaufen und die Ergebnisse lassen sich sehen - dank engagierter Züchter ist es gelungen, die Rasse Mops in seiner ursprünglich gesunden Form wieder züchten zu können. Es ist alleine der Retromops, welcher eine Zukunft hat, will man ernsthaft gesundheitliche, negative Aspekte beim Mops verändern.
