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Shop, don´t adopt

  • sybillenass
  • 2. März
  • 6 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 6 Tagen

….bedeutet - was?

Es ist ein Schlagwort aus der Welt der Tierschützer und richtig heißt es natürlich: adopt, not shop“ und bezieht sich darauf, daß Sie lieber einen Hund „retten“ sollen, statt einenRassehundbeieinemZüchter zu kaufen, der „nur Geld damit verdienen“ will - so die Lesart der vermeintlichen Tierliebhaber.


Züchter wie wir und die vielen anderen Züchterkollegen der unterschiedlichsten Rassen werden mit diesem Spruch immer wieder konfrontiert und auch Käufer sind von dieser Haltung dieser Art selbsternannter Tierschützer betroffen, werden sie doch einfach vor einen Pranger gestellt und diskreditiert, weil sie sich für einen Rassehund entschieden haben.


Vorab: es ist jedem Menschen freigestellt, wo er sich sein vierbeiniges Familienmitglied nach Hause holt - diese Entscheidung hat mit dieser Stellungnahme nichts zu tun. Aber ich halte es für wichtig, und zwar im Sinne ALLER Hunde - diesen Spruch einmal zu drehen, um zum Einen zum Nachdenken anzuregen und zum Anderen auch Entwicklungen im Bereich des Tierschutzes zu hinterfragen.


Es geht hier nicht darum, die Tatsache zu verleugnen, daß es überall Hunde gibt, die unsere Hilfe benötigen könnten - das tun übrigens viele Kinder in vielen Ländern ebenfalls.Aber es geht sehr wohl darum, daß man darüber spricht, welche Hilfe sinnvoll ist und wo sie ankommt!


Um einem möglichen Vorwurf von vornherein zu entgehen: ich habe ein paar Wochen in einem Tierheim gearbeitet und mein erster Hund stammte aus dem Tierheim.


Für mich persönlich ist die Haltung von Hunden in Tierheimen Käfighaltung. Nicht viel anders als Hühnerhaltung in Käfigen, nur daß sie über etwas mehr Platzverfügen.Tierheimleiter sehen das nach meiner Erfahrung nicht so: eine unserer Katzen kam aus einer Rassekatzenzuchtanlage und wurde in einem großen Aussengehege ohne großenmenschlichenKontaktgehalten.(Sie war bei der Übernahme extrem menschenscheu). Der persönliche Kontakt zur hiesigen Katzenauffangstation war entsprechend negativ, als ich ihr dies erzählt habe. Interessanterweise fand die Leiterin aber nichts Schlechtes daran, einige ihrer eigenen Katzen im Garten in einem Freigehege zu halten, was in den Maßen etwas kleiner war, als das Gehege, welches unserer Lucretia als Zuchtkatze zur Verfügungstand.Wenn also eine Tierheimleiterin Katzen in einem Freigehege hält, dann ist das in Ordnung, wenn es ein Züchter tut, dann ist es verwerflich…


Es ist also nicht alles Gold was glänzt, und so sollte man auch beim Tierschutz einmal kritisch hinterfragen, ob das was getan wird, wirklich immer richtig undgutistundobesstimmt,daßdasHundeleidabnehmen würde, wenn jeder statt eines Rassehundes einen Tierschutzhund bei sich aufnehmen würde.


Damit sind wir bereits beim ersten Problem des Inlandstierschutzes: es warten Hunderte von Hunden ab einer Schulterhöhe von 55 cm darauf, adoptiert zuwerden-und dies schont eilweise jahrelang. Warum?Aus genau diesem Grund, aus welchem Sie auf diese Seite gelangt sind: Sie suchen einen KLEINEREN Hund. Aus ganz unterschiedlichen Gründen, die übrigens alleihreBerechtigung haben!


Und wie Ihnen, geht es sehr, sehr vielen anderen potentiellen Hundebesitzern auch: ein großer Hund benötigt Platz, Sie wissen nicht, ob Sie mit seiner Kraft zurechtkommen,er hat eventuell Eigenschaften, denen Sie nicht gerecht werden können und ein großer Hund aus dem Tierheim kann bereits Probleme mitbringen, welche Sie möglicherweise anfangs nicht werden erkennen können.


Mein Hund aus dem Tierheim war ein Mischling aus Schäferhund und Collie - also groß. Seine Probleme waren im Tierheim nicht erkennbar, sie kristallisierten sich erst bei uns Zuhause nach einigen Wochen heraus. Dafür waren sie heftig: Tommy fing an auf alles loszugehen, was sich bewegt hat, Fahrräder, Traktoren, Autos und versuchte man ihn zurückzuhalten,drehte er sich um und biss zu.


Kleine Hunde sind hingegen in den deutschen Tierheimen - soweit sie keine massiven Probleme zeigen - relativ schnell wieder vermittelt.


Deutsche Tierheime treibt jedoch auch ein finanzielles Problem um, denn die offiziellen Zuschüsse werden jährlich aus der Anzahl der Tiere des Vorjahres ermittelt (so mein Stand der Information), was bedeutet, je weniger Hunde gemeldet sind, desto geringer die Mittel. Verständlicherweise führt dieses „Sponsoring“ nicht dazu, daß ein Zustand erreicht werden kann,in welchem sich zumindest zeitweise keine vermittelbaren Hunde im Tierheim aufhalten und so ist die Aufnahme von Hunden aus dem Auslandstierschutz de rGarant dafür, daß diejährlichen Zuwendungen konstant bleiben.


Auslandstierschutz. Für mich eine ganz schwierige Angelegenheit, und zwar aus zwei Gründen: Es gibt die „südländischen Hunde“, ich meine hier die italienischen,spanischen,französischen etc.Hunde, welche sich unter günstigen klimatischen Bedingungen in Lebensräumen bewegen, wo die Menschen kaum unter Hunger leiden und ein überwiegend positives Lebensgefühl vorherrscht. Günter Bloch hat über diese Hunde ein ganzes Buch geschrieben unter dem Titel „Die Pizza-Hunde“ und es ist unbedingt lesenswert. Seine Intention war die einjährige Beobachtungeiner Population wildlebender Hunde unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten in einem freien Rudelverband - er nannte sie „die Pizza-Hunde“, weil sie von den örtlichen Bewohnern mit Pizzaabfällen gefüttert wurden. Ohne ins Detail eingehen zuwollen, beschreibt er unproblematische Hunde, welche keinerlei Aggression gegen Menschen zeigten und ein normales Rudelleben mit allen Höhen und Tiefen führten, im Gegensatz zu Hunderudeln in anderen Ländern, wo Hunderudel auch für Menschen gefährlich werden können.


Meine Frage nun an Sie: würde ein Hund aus diesem italienischen Rudel von Ihnen gerettet werden wollen? 


Hunde werden „nicht gefragt“, ob sie gerettet werden wollen: weil Menschen einfach hingehen und behaupten, sie wüssten am Besten, was für den Hund gut ist….Würde man den Hund fragen, was ihm selbst lieber ist, die vollkommene Freiheit bei unsicherer Nahrungs- und Gesundheitslage oder Verlust der Freiheit gegen „goldene Kette“, mit gesicherter Nahrung und Gesundheitsvorsorge, für was würde er sich wohl entscheiden?????


Eine unserer Käuferinnen hat, nachdem der letzte Kromfohrländer verstorben war, aus dem Tierheim einen südlichen Auslandstierschutzhund übernommen. Die Hündin brachaus,wann immer sie es aus dem Garten schaffte und sie konnte nur an der Leine ausgeführt werden, weil sie sonst stiften ging. Ich habe ihre Augen gesehen und sie waren traurig. Aber man muss dies sehen WOLLEN! Wievieleinfacher ist es,sich einzureden, daß man ein gutes Werk getan hat und wie viel besser fühlt man sich selbst damit! „Ich habe einen Hundgerettet!“….Daß der Hund damit möglicherweise todunglücklich ist - das wird einfach nicht hinterfragt.


„Molly“ stammt auch aus dem Auslandstierschutz. Sie wohnt ebenfalls bei einer unserer Käuferinnen, deren Hund gestorben war. Diese Hündin wurde aufgrund des Bild des Hundes für eine Familie aus dem Auslandgeholt. Als Molly dann von dieser Familie abgeholt werden sollte, fand sie sie in natura einfach zu häßlich und die Familie verweigerte die Übernahme. Molly hat jetzt ein tolles Zuhause, und sowohl sie als auch ihre Besitzer sind glücklich - weil alle Umstände zufällig wirklich passen!


Aber sind wir mal ehrlich: wir übernehmen aus ungebremster, unüberlegter, unter fragwürdigen Umständen aufwachsender „Produktion“ Hunde aus demAusland-wissen NICHTS über Herkunft, die Eltern,deren Gesundheit, deren Eigenschaften - und finden gleichzeitig eine seriöse Zucht von Hunden einer Rasse mit definierten Eigenschaften,welche über Gesundheitsuntersuchungen verfügen,deren Eltern,Großeltern und in der Regel Urgroßeltern bekannt sind und die in der Familie unter besten sozialen Bedingungen aufwachsen,verwerflich? Ernsthaft???????MitderÜbernahmeeinesAuslandstierschutzhundes öffnen wir die Tür für die Produktion eines weiteren Hundes, welcher unter dubiosen Umständen aufgezogen wird - und das ist das Ziel????????

DieUnterstützung von unkontrollierter Vermehrung?


Für mich bedeutet aktiver Tierschutz für Hunde, daß fliegende Zelte aufgebaut und Massenkastrationen durchgeführt werden. Das kostet Geld, muss organisiert werden,aber ist der einzige Garant dafür, eine ungebremste Vermehrung zu stoppen und gleichzeitig die Hunde in regionaler Freiheit zu belassen. Sie werden mit einer Ohrmarke als kastriert gekennzeichnet und beenden damit den unendlichen Kreislauf zu vieler Hunde. 


Haben Sie schon den Osten, Rumänien und/oder deren Nachbarländer bereist? So entspannt die Hunde im Süden sind, im Osten teilt sich das Leben der Strassenhunde in von Menschen toleriert und oder in abgelehnt. Abgelehnt und deshalb in schlechtem Fütterungszustand habe ich die freilaufenden Hunde in den Ländern mit überwiegender muslimischerReligiongesehen,hieristeseinekulturelleHaltungzum Hund, welche ihnnicht als Begleiter des Menschen sieht. Auch hier würde eine Massenkastration zu einer erheblichen Verbesserung der Lebenssituation de rHunde führen und eine Entnahme kann hier auch ein Vorteil für den Hundbedeuten - wohlgemerkt kann! Nicht muss!


Was mich auf meinen Reisen am meisten fasziniert hat, waren die komplett anderen Lebensumstände, denn wo bei uns einehoheZivilisationvorherrscht,siehtmanindiesenLändernnochPferdefuhrwerke(ernsthaft!), eine Kuh direkt am Haus gehalten und ein Leben, bei welchem man sich durchaus in ein anderes Jahrhundert versetzt fühlt. Und man sieht Armut! Keine Wohlstandsgesellschaft, die sich den Luxus erlauben kann, jedem Hobby nachgehen zu können, und sei es noch so exotisch, wo die Planung der Freizeit einer der wichtigsten Bausteine ist und wo man es sich leisten kann, großzügig zu sein. Und wie gut fühlt es sich an, von sich sagen zu können, daß man etwas „für die armen Hunde tut“ - zum Beispiel in Rumänien. 


Eine gute Bekannte von mir hat dort ihre Verwandten besucht und mit Entsetzen festgestellt, daß der dort gehaltene Hund ein Kettenhund ist. Sie fragte michbeimeinemdarauffolgendenBesuch,wasmandenntun könne, um dem Hund zu helfen. Und das ist eine ganz typische und in meinen Augen sehr deutsche „Tierschutzreaktion“ - und ich halte sie sowohl für kontraproduktiv als auch für sehr arrogant.


Es leben dort Menschen am Existenzminimum - und wir Deutschen kommen mit einem Mercedes Transporter in diese Länder gefahren, das Auto bis zum Dach voll mit Hundefutter,Decken,Halsbändern und Leinen,Medikamenten und was sonst noch Brauchbares gesammelt und gespendet wurde und kümmern uns um: die Hunde!!!!!!

Nicht das Wohlergehen der Menschen dort, deren Kinder,steht imVordergrund-nein: deren HUNDE! Was mögen diese Menschen von uns nur denken, wo uns offensichtlich die Hunde wichtiger sind als die Menschen und wie wird sich das Verhalten der Einheimischen auf deren Hunde auswirken, wenn sieerleben, daß sich um ihre HUNDE gekümmert wird, das Wohlergehen der Einheimischen aber von uns komplett ignoriert wird? Schaffen wir uns damit Freunde?Unterstützen wir die Einheimischen damit, ihre Hunde zu lieben und sie zu versorgen? Wie fühlt man sich als Mensch, wenn man selbst fast nichts hat und zusehen darf, wie vor der eigenen Haustüre zwar die Hunde versorgt-aber die Menschen einfach inihren Nöten ignoriert werden?


Können wir uns unseren exklusiven Tierschutz nicht genau deshalb leisten, WEIL es uns so gut geht? Und wäre es dann im Umkehrschluss nicht viel wichtiger dafür zu sorgen,daß es den Menschen in diesen Ländern gut geht, DAMIT es in der Folge den Hunden gut geht?




 
 
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